Seit dieser Woche verfügen wir über zwei neue Sätze Paramente: Einen in weiß, einen in grün. Zwar verfügte die Gemeinde der Alten Messe schon über einige eigene Gewänder, diese haben jedoch über viele Jahre gelitten und sind zum Teil nicht mehr vollständig – Folgen der vergangenen Jahrzehnte des Nischendaseins und des mehrfachen Umzuges innerhalb Frankfurts. Auch die Deutschordenskirche verfügt natürlich über Gewänder, doch auch hier hat die Zeit Spuren hinterlassen: Diejenigen Paramente, die nicht beschädigt sind, verfügen in den allermeisten Fällen beispielsweise nicht über einen Manipel, der für die Zelebration der klassischen römischen Messe jedoch unabdingbar ist. Aus diesem Grunde wurde beschlossen, mit zwei neuen Sätzen einen Anfang in der Erneuerung und Erweiterung des Paramentenbestandes zu machen. Dank einer großzügigen Spende konnte dieser Schritt nun getan werden.

Die neuen Paramente

In Como (Italien) von Hand gefertigt, sind die neuen Messgewänder Frucht traditionellen Handwerks und von höchster Qualität. Sowohl der weiße wie auch der grüne Satz sind aus 100% reinem Seidendamast geschneidert. Die weiße Kasel ist mit konstrastierender roter Seide gefüttert und mit roten Seidenbändern zur Befestigung versehen, die grüne hingegen mit gold-gelber Seide.

Der Schnitt

Beide Paramentensätze sind nach römischem Schnittmuster gefertigt, was sie auf unterschiedliche Weise von etwa einem französischen, deutschen, österreichischen oder spanischen Schnitt unterscheidet. Von allen Unterschieden zu diesen Formen sind die großzügig geschnittenen Schultern und der tiefe Kragen zwei der entscheidenden. Wer sich in der Paramentik und Liturgiegeschichte auskennt weiß, dass die ursprüngliche Form der Kasel (casula, lat. “kleines Haus”) von einer weit größeren und fülligeren herrührt als wir heute kennen. Über die Jahrhunderte hat sich die Kasel nicht zuletzt aus Gründen der Praktikabilität zusehends verkürzt, sodass die Arme größere Freiheit bekamen.

Durch die deutliche Bedeckung der Schultern wahrt der klassische römische Schnitt (besonders im Vergleich zum spätfranzösischen oder deutschen des 19. und 20. Jahrhunderts) die Kontinuität zur ursprünglichen Form der Kasel ohne jedoch auf die Armfreiheit zu verzichten. Die anderen beiden tendieren stark dazu, den Stoff noch viel weiter zurück zu schneiden und durch ihre Kürze die Verhüllung des Zelebranten deutlich zu reduzieren — Aspekte, die für die liturgische Symbolik von großer Bedeutung sind.

Burse und Kelchvelum

Auf zwei weitere Bestandteile wollen wir noch kurz eingehen: Die Burse und das Kelchvelum. Die Burse ist die kleine “Tasche” für das Corporale, das linnene Stück Stoff auf welchem der hochheilige Leib des Herrn ruht. Sie entwickelte sich zur sicheren Aufbewahrung dieses so wichtigen liturgischen Leinentuches, das in unmittelbaren Kontakt mit der hl. Eucharistie kommt: Es kann nämlich vorkommen, dass sich Partikel von der Hostie lösen und am Corporale haften bleiben. Damit diese nicht verloren gehen, wird es nicht nur besonders zusammen gefaltet, sondern auch geschützt transportiert: In der Burse. Bursen des italienischen Stils sind – wie auch in einigen Fällen die anderer Stilrichtungen – deshalb an drei Seiten des Quadrates geschlossen und nur an einer geöffnet um Partikelverlust zu verhindern. Bei Bursen des französischen Stils wird der Wert eher darauf gelegt, dass die Burse aufgestellt (statt angelehnt) werden kann, was zur Folge hat, dass sie an drei Seiten offen ist. Zudem sind diese meist deutlich kleiner.

Das Kelchvelum schließlich ist die Ergänzung zur Burse: Es verhüllt Kelch und Patene bis zum Offertorium. Es ist quadratisch, umrandet von derselben Borte wie Burse und Kasel. Auf der Vorderseite pragt ein Kreuz aus eben dieser Borte, was für den Kenner des römischen Paramentenstils eine Ungewöhnlichkeit darstellt. Denn eigentlich hat ein römisches Kelchvelum, wie es die ehrwürdigen Basiliken Roms zeigen, gar kein Kreuz. Wenn es nicht ganz schlicht war, trägt es das Jesusmonogramm (IHS) mit einem Sonnenmotiv. Um jedoch auch dem in unserer Region verbreiteten Brauch Rechnung zu tragen, entschieden wir uns dafür an dieser Stelle vom strikt römischen Stil etwas abzuweichen.